M.S. Uspenskaja, L.W. Solowjewa

PAEONIA PEREGRINA MILL. v SSSR i ego tipifikazija

Paeonia peregrina Mill. in der UdSSR und ihre Typifikation

Bulletin Mosk. O-va Ispytatelej Prirody otd. Biol. 1991 t.96 vyd.3 p.131-133

Übersetzung aus dem Russischen von Dr. C. Burkhardt, Kolkwitz [sitemap]



1961 beschrieb L.P. Nikolajewa während ihrer Forschungen in Moldawien die für die Flora der UdSSR neue Pflanze Paeonia decora Anders. T.S. Heidemann erwähnte diese Art in der 2. Ausgabe der Höheren Pflanzen der Moldawischen SSR (1975) unter dem prioritären Namen P. peregrina Mill. Bei der monographischen Erforschung der Päonien, konnten wir diese Nachricht nicht unbeachtet lassen und führten 1979 eine Reise zu dem Platz durch, wo diese Pflanze in der Natur wächst. Wir fanden sie tatsächlich im südöstlichen Teil von Kodr zwischen Boltzun und Buzhsory im Nisporenskij Rayon . In lichtem Wald aus Quercus pubescens Willd. wächst P. peregrina. Die Standortbedingungen waren von L.P. Nikolajewa (1961) beschrieben worden. Am Naturstandort sammelten wir Pflanzenmaterial und pflanzten es im BG der Moskauer Universität, wo wir uns in den nächsten 10 Jahren an den Pflanzen erfreuten.

Beginnen wir mit der Betrachtung dessen, was in der Literatur über P. peregrina bisher geschrieben wurde. Es ist eher dürftig (Nikolajewa, 1961; Heidemann, 1975; Tscherney, 1985), aber es ist eine Tatsache, daß ihr Vorkommen in der UdSSR bisher nicht zur Kenntnis genommen wurde, zu unserm Bedauern auch nicht in der hochgeschätzten Zusammenstellung von S.K. Tcherepanow (1973, 1981), welche die wesentlichen Synonyme und genaue detaillierte morphologische Beschreibungen auf der Grundlage der Beobachtung von lebenden Pflanzen und dem Studium von Herbarmaterial ordnete.

P. peregrina Mill. 1768, Gard. Dict. ed. 8, n° 3; Stapf, 1918, Bot. Mag. 144, tab. 8772; Stern, 1943, Journ. Roy. Hort. Soc. 56:72; id. 1946, Gen. Paeonia: 97; Nyarady, 1953, Fl. Rep. Popul. Romane. 2:404; Cullen, Heywood, 1964, Fl. Eur. 1 :243; Stojanow, Stefanow. 1970, Flora Bulg. 4:216; Heidemann, Höhere Pflanzen der Moldawischen SSR: 181. — P. decora Anders. 1817, Trans. Linn. Soc. 12:273; Boiss. 1867, Fl. Orient. 1:98; Kanitz, 1879—81, Fl. Roman, 6:173; Velenosky, 1891, FL.Bulg.: 16; Hayek, 1924. Prodr. Fl. Penins. Balcan, 1:298; Stojanow, Stefanow, 1924, Flora Bulg. 1:435; Nikolajewa. 1961, Izw. Mold. FAN SSSR 1:67. — P. romanica Brandza. 1879, Prodr. Fl. Roman.: 38; Grecescu, 1898, Fl. Roman.: 43.

Staude mit schnurförmig verdickten Wurzeln und kurzem Wurzelapparat. Stiel gerade, kaum gebogen, längs-gefurcht, Höhe 80—90 cm. Blätter biternat, oberseits grün, unterseits graublau. Die Blattsegmente sind fiederig geteilt, an der Spitze ungleich gezähnt, manchmal tief eingeschnitten oder schaufelförmig. Stiele einblütig. Blätter unter der Blüte eng. Blütenstiel 60—100mm lang, Blüten groß, 7— 15 cm im Durchmesser. Sepalen 4—5. Petalen 6—12, umgekehrt eiförmig, am Rand kaum gezähnt, von roter Farbe. Staubfäden dunkel-himbeerfarben. Narbe himbeerfarben. Carpellen 2—3, dicht behaart. Die Samen sind oval-kugelförmig, glatt, ölig-glänzend; Samen-Rippe hell, gut sichtbar. Frischgesammelte Samen sind 10—11x 8—9 mm, dunkel-blau, fast schwarz, glatt. Die Keimung der Samen ist epigäisch. Bis zum Ende der 1. Vegetationsperiode entsteht 1 dreigeteiltes Blatt (Abb. 1).

Die Pflanzen vom Naturstandort im BG der MGU besitzen alle Merkmale, die charakteristisch sind für diese Art, blühen und fruchten. In Moskau blühen die Pflanzen im Mai bis Juni, der Samen reift im August. Neue Populationen können in der Natur nur durch Samenbildung entstehen.

Zu unserem Bedauern wird ein Typ-Muster von P. peregrina Mill. nirgends aufbewahrt (Stapf. 1918; Stern, 1946), weshalb wir uns zur Wahl eines Neotypes entschlossen. Im Protolog von L. Miller wurde kein locus classicus für P. peregrina definiert, er erwähnte die Provinz «the Levant», wo diese Pflanze offenkundig wächst. Deshalb schlagen wir in der Eigenschaft eines Neotyps die Herbarbeschreibung aus Turtzii vor, welche, wie uns erscheint, am besten übereinstimmt mit dem Protolog, der auch in der «Flora of Turkey» (Davis, 1965) zitiert wird: «Iter trojanum id. dumetiv supra Kuzkoei 12.V 1883, N 334, P. Sintenis» (LE). Es ist bekannt, daß im Herbarium von P. Sintenis Muster aus mehreren botanischen Institutionen der Welt lagern. Es ist nicht ausgeschlossen, daß andere Muster mit einer Bezeichnung obiger Etiketten entdeckt werden. In diesem Falle werden sie folglich als Isoneotyp zu behandeln sein.

In der Sowjetunion wurde P. peregrina Mill. zytologisch nicht untersucht, obwohl die Arten der Gattung Paeonia recht gut untersucht sind in dieser Hinsicht (Chromosomenzahlen der Blütenpflanzen, 1969). Die Grundzahl beträgt bei dieser Gattung x=5. Es gibt diploide (2n = 2x = 10) und tetraploide (2n = 4x = 20) Arten. Nach Literaturangaben ist P. peregrina Mill. tetraploid.

Zur Bestimmung der Ploidie von P. peregrina benutzen wird Gewebe aus dem Wurzel-Mersitem. Anfang September findet bei dieser Pflanze ein intensives Wurzelwachstum statt. Wir benutzten die Pflanzen des BG der MGU von oben beschriebenem Fundort in Moldawien, fixierten und färbten mit Propion-Lakmoid nach Behandlung mit 0,05 % Colchicin über 4h. An den erhaltenen Präparaten untersuchten wir 30 metaphasische Apparate. Wie erwartet, betrug die Chromosomenzahl der somatischen Zellen 20 (Abb. 2).P. peregrina Mill., auf dem Territorium der UdSSR ist demnach tetraploid: 2n=4n==20.

Abb.1. P. peregrina Mill. (Zeichnungen von O.W. Zhurba): 1 — Gesamtansicht, 2 — Blüte, 3 — Frucht, 4 — Keimling, 5 — Samen, 6 — Wurzelsystem

Abb.2. Metaphase mesistematischer Wurzelabschnitte von P. peregrina Mill. 2n=4x=20 , Vergrößerung 1800x.




Literatur

Heidmann, T.S. 1975. Opreditel vysshykh rastenii Moldawskoj SSR (Verzeichnis der höheren Pflanzen der Moldawischen SSR . Kishinjew

Nikolajewa L.P. 1961. O nowykh vidakh moldawskoj Flory (Über einige neue Arten der Moldawischen Flora) /Èýâ. Ìîëä. ôèëèàëà Akademie der Wissenschaften der UdSSR. ¹ 1. Õðîìîñîìíûå ÷èñëà öâåòêîâûõ ðàñòåíèé. 1969. Ë.

Tcherepanow S.K. 1973. Ñâîä äîïîëíåíèé und èçìåíåíèé ê ôëîðå UdSSR. Leningrad

Tcherepanow S.K. 1981. Gefäßpflanzen der UdSSR. Leningrad

Tscherney E.N. 1985. Ñòðîåíèå îêîëîïëîäíèêà und ñåìåíè ïèîíà èíîçåìíîãî//Èçâ. ÀÍ ÌÑÑÐ. Ñåð. áèîë. und ,õèìè÷. íàóê. ¹ 5.

Davis P.H. 1965. Flora Turkey. Edinburg.

Stapf O. 1918. Paeonia peregrina Bot. Reg. Vol. 144. London.

Stern F. C. 1946. A study of the genus Paeonia. London.


ON THE PAEONIA PEREGRINA MILL.
M. S. Uspenskaya, L. V. Solovyeva

Summary

The synonymy, neotype and cytological investigation for Paeonia peregrina Mill. have been reported.