Gesellschaft der Staudenfreunde e.V.

Fachgruppe Päonien. Rundbrief Nr. 1/2002

Dr. C.Burkhardt

www.paeon.de

Kolkwitz, den 17.01.2002

Einladung zum Fachgruppen-Treffen in Brüggen 2002

Melden Sie sich bitte möglichst bald im Hotel an. Es sind genügend freie Zimmer vorhanden.

Programm

Tagungshotel: Hotel Restaurant Brüggener Klimp, Burgwall 15, 41379 Brüggen

Tel. 02163-9550, Fax: 02163- 7917, Preise ab €72/Doppelzimmer. Bauernbuffet ca. €12/ Person.

Freitag, 31. Mai 2002

ab 18:00 Uhr gemeinsames Abendessen im Tagungshotel

ca. 20:00 Uhr Vortrag Dr.Burkhardt: Paeonia rockii und ihre Hybriden im Garten

Samstag, 01. Juni 2002

9:30 Treffpunkt am Tagungshotel

10:00 Gartenbesuch bei Fam. Ungerechts, Thelenkamp 22, 41179 Mönchengladbach, 02161-559628

12:30 Mittag

15:00 Besuch bei Herrn Tetzlaff in Düsseldorf

ca. 18:00 Abendessen im Tagungshotel

ca. 20:00 Auswertung der 'Kür der schönsten Pfingstrose 2002'

anschl. Vortrag Josef Halda: Strauchpfingstrosen in China, Bilder von seinen vielen Chinareisen

Sonntag, 02. Juni 2002

Gartenbesuch bei Harrie de Vries, Niederlande (genauen Termin und Anfahrtskizze am Samstag)





Aktuelles

Pfingstrosenschau Saarbrücken

Ich danke allen, die Pflanzen spenden wollen. Leider ist aus der Schau in Saarbrücken nichts geworden. Die Planungen der Landesregierung für das angestrebte Gelände sehen anders aus. Nichtsdestotrotz geht damit aber die Suche nach einem geeigneten Gelände mit einer ausreichenden finanziellen Absicherung der Bau- und Pflegemaßnahmen weiter. Vielleicht kann jemand aus der Gruppe weitere Ideen beisteuern.

Kür der 'Schönsten Pfingstrose 2002'

Bisher habe ich 21 Zuschriften erhalten, und da jeder Teilnehmer bis zu 10 Arten/Sorten nennen kann, kommt mittlerweile einiges an Bewährtem und Schönem zusammen. Um die Abstimmung der nächsten Teilnehmer nicht zu beeinflussen, möchte ich aber noch keine Ergebnisse verraten. Es wurde angeregt, auch 'Absolute Flops' zu benennen. Diese Flopper werden ab sofort auch erfaßt. Wichtig wäre bei diesen Arten/Sorten, daß mehr als nur der Name genannt wird, Herkunft, Standort, Pflanzzeit etc. müßten mit aufgelistet werden. Die Ergebnisse werden detailliert veröffentlicht.

Sortenliste / Sortendatenbank

In den letzten Monaten habe ich intensiv an der Sortendatenbank gearbeitet. Neben den APS-Checklists und den Registrierungen in den Bulletins habe ich eine große Zahl anderer relevanter Publikationen sortenbezogen aufgearbeitet und auch züchter- und länderbezogen geordnet online abrufbar gemacht (www.paeon.de/name). Die Gesamtzahl mit Namen versehener Sorten aller Kulturgruppen übersteigt die 6000, zu über 2500 verschiedenen Sorten habe ich bisher Bilder einbauen können, teilweise bis aus zu 10 verschiedenen Quellen zu einer Sorte. Allein die große Zahl macht jede andere Form der Veröffentlichung als das Internet unmöglich, wenn man nicht von vornherein selektieren will. Die technischen Probleme sind weitgehend gelöst, das Gerüst steht und funktioniert. Ich habe zu diesem Projekt aus vielen Quellen weltweit Unterstützung erfahren, viele Betreiber von Websites haben mir erlaubt, ihre Bilder und Sortenbeschreibungen zu verwenden und viele Bilder sind in Arbeit, es wird quasi wöchentlich mehr. Allerdings sind die meisten Beschreibungen ungenau und verkaufsorientiert. Die APS-Registrierungen erfüllen nicht einmal das Ziel, daß Namen nur einmal vergeben werden dürfen. Spätestens seit im Jahr 2001 zum zweiten Mal eine Lutea-Hybride mit dem Namen 'High Noon' (Sutherland 2001) registriert wurde, dürfte offensichtlich sein, daß der derzeitige Registrar große Probleme mit seinem Job hat. Dass gleiche Namen für unterschiedliche Kulturgruppen (Lactiflora/ Staudenhybriden/ Lutea-Hybriden / Suffruticosa) mehrfach vergeben wurden, ist leider gängige Praxis, wenn auch nicht regelkonform.

Walter Good hat seit kurzem eine Datenbank fertiggestellt, die es erlaubt, Sortenbeschreibungen nach festen Kriterien online einzugeben, die eine Identifizierbarkeit von Sorten erreichbar werden läßt. Diese Datenbank ist mit meiner leicht vernetzbar. Sie ist ab Anfang Februar im Netz.

Pfingstrosenforum im Internet

Da die Praxis zeigt, daß die bisherigen Hinweise überlesen wurden: Also alles etwas ausführlicher nochmal. Vor etwa 2 Jahren habe ich nach dem Muster des englisch-sprachigen eMail-Forums ein deutsch-sprachiges gegründet. Man muß sich lediglich mit seiner eMail-Adresse anmelden, und kann dann die Nachrichten des Forums empfangen und die alten Nachrichten lesen, ggf. in den alten Nachrichten per Stichwortsuche stöbern. Die Einstellmöglichkeiten sind komfortabel, man kann einstellen, daß man jede neue Mail sofort bekommt oder man kann auch nur im Web nachschauen, ob jemand was geschrieben hat. Ich finde erstere am besten. Dieser Service ist kostenlos, und man wird auch nicht mit Werbung unnötig belästigt. Die aktuelle Adresse ist: http://www.egroups.de/group/Pfingstrosen/ . Mittlerweile gehört der Service zwar zu Yahoo, aber unter dieser Adresse fndet sich die deutsch-sprachig erklärte Einstiegsseite. Der Vorteil dieses Forums ist, daß man seine Fragen zu allen Pfingstrosen-Themen gleichzeitig an mehr als 20 Leute stellen kann, die dann über ihre Erfahrungen berichten. Ich finde, das ist der schnellste Weg, Antworten zu bekommen, auf jeden Fall schneller, als mich persönlich anzumailen. Leider waren meine Antwort-Zeiten in den letzten Monaten etwas länger als schön.

Nomenklatorische Erläuterungen & Entwicklungen

Paeonia mlokosewitschii & Paeonia mlokosewitschii der Gärten, P.X chamaeleon etc.

Leider ist nicht alles Gelb, was als Mloko angeboten wird. Absaaten von in Gärten kultivierten Mlokosewitschii's ergeben nur unter sehr günstigen Umständen wieder gelb blühende Formen, die der Naturform nahe sind. Es ist eher wahrscheinlich, daß durch das Werk der Bienen spontan Verbastardierungen auftreten, die in verschiedenen Rot- und Rosatönen, teils mit schöner Basalzeichnung blühen. Diese Gartenhybriden sollten auch immer als solche gekennzeichnet sein, um dem Käufer/Samentauschpartner spätere Enttäuschungen zu ersparen. Sicher kann man nur sein, wenn man Teilungen von gelbblühenden Pflanzen erwirbt bzw. bei Sämlingen abwartet, bis sie geblüht haben.

Alle Gartenhybriden unklarer väterlicher Genese (sprich alle offen bestäubten Absaaten von Paeonia mlokosewitschii) können als Paeonia mlokosewitschii der Gärten bezeichnet werden, es bietet sich aber auch der Begriff P.X chamaeleon an. Unter diesem Namen wurde eine im Botanischen Garten Tbilissi aufgetretene Hybride zwischen P.mlokosewitschii und P. caucasica von Troitsky klassifiziert, von Kemularia-Nathadse experimentell bestätigt und von Punina durch Chromosomen-Analysen verifiziert. Mittlerweile wird der Begriff recht breit verwendet und hat sich als Oberbegriff für diese Gruppe fast durchgesetzt.

Aus den gleichen Elternteilen entstand am Naturstandort P. X lagodechiana, benannt nach dem Tal, von wo Mlokosewitschii erstmals beschrieben wurde (Übrigens nach Ludwik Mlokosiewicz, einem Polen). Diese Naturhybriden können sehr schön sein. Wegen des gleichzeitigen Auftretens von P.caucasica (Syn. P.daurica) und P.mlokosewitschii gibt es auch bei in der Natur gesammeltem Samen keine Gewißheit, daß man wirklich schöne gelbblühende Pflanzen erhält. Erschwerend kommt außerdem hinzu, daß P.mlokosewitschii in der Natur stark veränderlich ist, es existieren sehr blaßgelbe und fast weiße Formen. Außer in Georgien gibt es auch Standorte in Dagestan, Tschetschenien und am Oberlauf des Flusses Awarskij Kois in Aserbaidashan.

Nicht verwechseln darf man all diese Formen aber mit der aus dem Talysch in Süd-Aserbaidschan und dem Elburz-Gebirge im Nord-Iran stammenden P.tomentosa, die auch schön gelb ist bzw. den verschiedenen Arten des West-Kauskasus (P.wittmanniana, P.steveniana, P.macrophylla).

Delavayi-Komplex

1998 hat Hong De-yuan (Hong, De-Yuan, Pan, KY , Yu, H, Taxonomy of the Paeonia delavayi complex (Paeoniaceae) 1, Ann Missouri Bot Gard 1998 85(4) : 554-564) die bisherige Unterteilung der Subsektion Delavayanae verworfen und alle bisherigen Arten bis auf P.ludlowii unter P.delavayi zusammengefaßt. Die zur Abgrenzung von P.delavayi, P.lutea und P.potaninii samt ihrer Unterarten herangezogenen Kriterien waren in der Natur nicht nachvollziehbar. P.ludlowii (mit 1-2 Karpellen) wurde zur Art erhoben. Viele der vormaligen Arten waren aufgrund weniger Herbarexemplare beschrieben worden. Hong hat Dutzende Naturstandorte intensiv untersucht und mehrere 'Arten' gemeinsam wachsend gefunden bzw. für verschiedene 'Arten' typische Merkmale an einer Pflanze gleichzeitig entdeckt.

Parallel dazu hat Josef Halda 1997 (Systematic treatment of the Genus Paeonia L. with some nomenclatoric changes. Acta Mus. Richnov. Sect. natur. 4(2):25-32 (1997).) zwei neue hybride Arten beschrieben, namentlich P.X franchetii (P.lutea X P.potaninii) bzw. P.X handel-mazzettii (P.delavayi X P.lutea). Bemerkenswert an diesen Naturhybriden ist allerdings, daß sie fertile Samen produzieren, was nicht unbedingt für F1-Hybriden verschiedener Arten spricht, sondern für Formen derselben Art im Sinne von Hong.

Bei britischen Gartenliebhabern ist die Arbeit von Hong allerdings auf Skepsis gestoßen, weil man sich mit einer so variablen Spezies wie P.delavayi im neueren Sinne nicht recht anfreunden konnte und sich zwischen den verschiedenen ehemaligen 'Arten' in gärtnerischer Hinsicht ja doch gewisse Unterschiede feststellen lassen. Diesem Problem hat sich nun Stephen G.Haw angenommen (Paeonia delavayi, a variable species, The New Plantsman 8 (4) dec. 2001 251-253), und P.delavayi geteilt, wenn auch auf niedrigem taxonomischen Niveau. Nach der Wuchshöhe unterscheidet er jetzt var.delavayi (über 1m) und var.angustiloba (unter 1m). Bereits Hong hatte festgestellt, daß in der Natur sehr unterschiedlich wachsende Klone auftreten. Diese Beobachtung hat Haw nun aufgegriffen und gleichzeitig dem von Rehder und Wilson 1913 eingeführten Namen gegenüber Komarow's P.potaninii von 1921 Priorität verschafft. Innerhalb der Varianten unterteilt er noch : var.delavayi f.delavayi mit roten Blüten sowie f.lutea mit gelben bis orangefarbenen Blüten. Hierher gehört nach Haw auch Halda's P.X handel-mazzettii. Bei var.angustiloba unterscheidet er 3 Formen: f.angustiloba (rot), f.trollioides (gelb bis orange, einschließlich Halda's P.X franchetii) und f.alba (weiß).

Ich halte diese neuerliche Aufsplittung für überflüssig und wenig sachdienlich, weil schon wieder neue Namen eingeführt werden. Wenn man sich der Tatsache bewußt bleibt, daß Wildpflanzen einerseits streuen und sich andererseits ihren Umbegungsbedingungen anpassen, kommt man mit einer P.delavayi im weiteren Sinne gut zurecht.

Anomala / Intermedia / Veitchii

Eine weitere interessante Neuordnung folgte im 2001 veröffentlichten 6.Band der Flora of China (Hong Deyuan, Pan Kaiyu & Turland, Nicholas J. 2001 Paeoniaceae in Flora of China, vol. 6 pp.127-133. Online unter: http://flora.huh.harvard.edu/china/mss/volume06/Paeoniaceae.pdf ). Die Autoren nehmen als erste außerhalb der ehem. UdSSR eine Trennung von P.anomala und P.intermedia vor und vereinigen P.anomala und P.veitchii unter P.anomala als ssp.anomala und ssp.veitchii. Westliche Autoren haben bisher immer die Unterschiede zwischen P.anomala und P.intermedia angezweifelt, was, wenn man die Behaarung der Follikel als Basis nimmt, auch zutreffen mag. Sicher ist aber lediglich das Fehlen relevanten Herbarmaterials in Kew der Grund für diese Ansichten. Autoren auf dem Gebiet der ehem. UdSSR sind sich seit Jahrzehnten einig, daß P.anomala und P.intermedia zwei verschiedene Paar Schuhe sind. Jetzt haben die Studien Hong's diese Ansicht bestätigt.

Demnach erstreckt sich P.anomala (ssp.anomala) von Nord-Xinjiang in China, Nord-Ost Kasachstan, die Nord-Mongolei über Sibirien bis in den Nordosten Rußlands, während P.intermedia von Nord-Xinjiang über Kirgisien, Kasachstan, Tadschikistan und Usbekistan bis in den Südwesten Sibiriens reicht, also seine nord-östlichste Ausdehnung nur bis Kasachstan hat und nicht in Europa auftritt. P.anomala ssp.veitchii nimmt die sich südlich und östlich anschließenden Areale von Gansu über Tibet bis Yunnan bzw. Shanxi und Shaanxi ein. Halda berichtete allerdings, daß er typische Anomalas noch weiter östlich, bis in den russischen Fernen Osten,bei Wladiwostok.

Nach Hong sind die Kelchblätter von P.anomala langgezogen spitz und die Wurzeln zylindrisch, während P.intermedia tuberöse Wurzeln hat und wenigstens 2 Kelchblätter nicht langgezogen spitz sind („not caudate to the apex“). P.anomala ssp. anomala und veitchii unterscheiden sich vorwiegend durch die Mehrblütigkeit: Während ssp.anomala meist 1 terminale Blüte hat und nur selten unterentwickelte Blütenknospen in den Blattachseln besitzt, ist ssp.veitchii meist mehrblütig. Hong ordnet var. beresowskii, leiocarpa, uniflora, woodwardii unter ssp.veitchii als Synonym, P.sinjiangensis, P.altaica unter ssp.anomala. Ob damit das gleiche Problem auftritt, wie bei dem, was jetzt alles P.delavayi ist, bleibt abzuwarten. Sicher ist, daß es entlang des riesigen Areals von P.anomala viele verschiedene Formen gibt, die sowohl in der Blütenfarbe und der Wuchshöhe stark variieren und von denen die meisten sehr gartenwürdig sind.

Paeonia hybrida

Ich bekam mehrere Zuschriften, die mich veranlassen, den Namen 'hybrida', auch im Zusammenhang mit den oben genannten klarzustellen. Leider wurde und wird dieser Begriff für verschiedene Paeonien gebraucht, so daß er immer wieder Verwirrung stiftet. Ich befürworte, ihn überhaupt nicht zu verwenden. Meist taucht heutzutage diese 'Gattungsbezeichnung' in Katalogen auf, wo sie für Stauden-Hybriden verwandt wird, wie z.B. Paeonia hybrida 'Coral Charm'. Diese Art der Namensformung sollte generell unterbleiben, richtiger wäre für alle Sorten die Form Paeonia 'Coral Charm'.

Zuallererst hat Peter Simon Pallas den Begriff 'hybrida' benutzt, und zwar gleich für 3 verschiedene Wildarten: Einmal in Sibirien für (aus heutiger Sicht) P.intermedia [darauf beziehen sich viele russische Taxonomen beim Gebrauch des Namens], einmal bei Stavropol für (aus heutiger Sicht) P.tenuifolia var. biebersteiniana und einmal auf der Krim für (aus heutiger Sicht) P.X malejewii (eine sterile F1-Naturhybride zwischen P.tenuifolia X P.daurica).

Leider wurde der Begriff in Finnland später erneut benutzt, um eine spontane Hybride zwischen in Finnland kultivierten P.anomala und P.tenuifolia als P. X hybrida zu benennen. Es gibt davon sogar Herbarmaterial. Der finnische Name dieser Pflanze ist 'kartanopioni', der schwedische 'herrgardspion'. In Schweden wurde dieselbe Sorte außerdem im Botanischen Garten 'Bergius' Stockholm als P. X bergiana beschrieben. Offensichtlich handelt es sich bei all diesen in Skandinavien aufgetauchten Hybriden um ähnliche Formen, die allerdings in Abhängigkeit von der Herkunft der jeweiligen Elternarten, die ja auch streuen, und der Richtung der Kreuzung sehr unterschiedlich aussehen können.

Paeonia ozieri alba

Eigentlich ein lange ungelöstes Rätsel, aber vor ein paar Wochen kam plötzlich Bewegung in die Sache. A.P.Saunders hatte 1926 Samen etikettiert 'Ozieri alba' von Vilmorin, Andrieux & Cie. aus Paris bezogen, die entstandenen Pflanzen mit P.lactiflora gekreuzt und die resultierenden Hybriden (#14835-7) unter dem Namen P.'Halcyon' eingeführt. P.'Halcyon' hat ledrige Blätter und rötlich überhauchte Stiele, was schon Saunders vermuten ließ, daß 'ozieri' etwas mit 'Corallina - Broteri - Cambessedesi' gemeinsam haben könnte, also aus dem westlichen Mittelmeer stammen dürfte. Auf seine Nachfrage bei Vilmorin, Andrieux et Cie. hieß es, sie wüßten nicht, woher der Samen wäre. Ein Art ist unter diesem Namen nie beschrieben worden. Es gibt mittlerweile auch eine von Allan Rogers eingeführte F2-Hybride P.'Tranquil Dove'.

Robert Johnson aus Central Oregon, der jedes Jahr bei der Caprice Farm Nursery beim Teilen der Hybriden behilflich ist, fiel auf, daß diese beiden Sorten ganz purpurfarbenes Fleisch haben wie keine andere Züchtung von Saunders und stellte die Sache im Internet in Yahoo!groups zur Diskussion, in der Hoffnung, Klarheit über die geographische Herkunft und damit die Elternart zu erfahren, die hinter 'ozieri alba' steckt. Woraufhin jemand auf die Idee kam, in eine Suchmaschine den Namen 'Ozieri' einzutippen: Und siehe da, es gibt einen Ort auf Sardinien gleichen Namens, und ganz in der Nähe ist der Gennargentu Nationalpark, wo ein Mitglied unserer Gruppe vor 2 Jahren Samen von P.mascula ssp. russoi gesammelt hat.

Wenn der Name der Art wirklich vom Namen des sardinischen Ortes abgeleitet ist und 'ozieri' eine weiße Form von P.mascula ssp. russoi sein soll, dann stellt sich immer noch die Frage [Dick Westland]: Warum ist 'Halcyon' dann diploid? (Im APS-Buch 'Best of 75 years' ist die Chromosomenzahl von 'Halcyon' veröffentlicht: 10). Nach Stern (1943), Contandriopoulos (1962), und Cullen & Heywood (1964) ist P. mascula ssp. russoi tetraploid (2n = 20), allerdings fanden sich in Eric Schmitt's Artikeln (Plantes de Montagne et de Rocaille 1996-2000) auch Angaben, daß ebenso diploide Formen (2n = 10) beschrieben worden sind: Tzanoudakis (1977), Stearn & Davis (1984); Akeroyd (1993). Das Rätsel scheint damit gelöst, allerdings hat noch niemand weißblühende Formen von P. mascula ssp. russoi gefunden, auch Gianlupo Osti nicht, der bereits mehrfach auf Sardinien war. Vielleicht läßt sich das Rätsel bei unserem Treffen endgültig auflösen. Gianlupo Osti hat sein Kommen angekündigt. Vielleicht mit Bildern von Sardinien??

Es gibt viel zu diskutieren auf dem nächsten Treffen. Ich freue mich auf Ihr Kommen

Ihr

Dr.Carsten Burkhardt